PIEKFALL-online Segelkalender Museumshäfen PIEKFALL-Register PIEKFALL-Archiv Impressum
PIEKFALL - online
Online-Redaktion: Thees Fock
Das Mitteilungsblatt der Freunde des Gaffelriggs PIEKFALL ist im Abonnement für EURO 25.- im Jahr zu beziehen. Mit dem PIEKFALL werden Einladungen zu den jeweiligen Treffen zugeschickt.
Junge Bootsbauschhüler vermessen altes Fischerboot Mit Richtschnur und Lot spannten acht Auszubildende der "Landesberufsschule für Bootsbau" aus Lübeck einen fiktiven Rahmen um den Rumpf der Quase am Museumshafen Probstei. Diese spezielle Arbeit war notwendig, um einen Linienriss, eine Zeichnung, dieses wohl letzten erhaltenen Fischereifahrzeugrumpfes, anzufertigen. Eines Fischereibootes, das einst im 19. Jahrhundert typisch für die Fischerei hier im Seegebiet der Kieler Bucht und auch vor der Probsteiküste war. Von dem es aber keine Risszeichnung in den Archiven gibt.   Es wehte am vergangenen Sonnabend, ein leichter aber kalter Wind mit Nieselregen über die Wendtorfer Promenade und um den historischen Schiffsrumpf. Die Finger der angehenden Bootsbauer wurden beim Abmallen, dem Abmessen von Planken, Spanten, Steven und Sponnung schnell klamm.   In der kleinen Wachhütte des Museumshafens kochte Antje Steinmeyer von der "AURIGA" Kaffee. "Eine heiße Muck Kaffee wärmt schließlich jede kalte Hand und wem das nicht reicht, der kann sich auch hier in der Hütte am kleinen Jøtul-Ofen wärmen", sagt sie und reicht eine dampfende Tasse durch die Schnacktür.   Die Berufsschüler trotzten dem nasskalten Wetter und ihre gute Stimmung ließ auch über den gesamten Tag nicht nach. Zur Stärkung am Mittag wurde frisch angelandeter Fisch gebraten, Pellkartoffeln, Bohnen und Dorschfilet und am nächsten Tag kochte Birgit Rautenberg-Sturm eine Kartoffelsuppe mit Fisch und Krabben.   Bevor es überhaupt an das Vermessen der "Quase" gehen konnte, stabilisierte schon eine Woche vorher Bootsbauer Kristin Müller Planken, Steven und Wrangen des Rumpfes. Berufsschullehrer Mathias Krueger teilte schließlich seine Schüler zu verschiedenen Arbeitsgruppen ein, beispielsweise für den Bug- und Hecksteven und den Linienriss. Der ungefähr um 30° nach Steuerbord geneigte Rumpf auf dem Promenadenplatz war für alle eine besondere Herausforderung. Schließlich musste jedes abgenommene Maß um diese Neigung korrigiert werden, bevor es auf dem Schnürboden, einer großen Holzplatte, eins-zu- eins aufgezeichnet werden konnte.   Unmittelbar neben dem Quasenrumpf, hatten die Mitglieder des Museumshafens ein Zelt der Arbeiterwohlfahrt aufgeschlagen. Dort im Zelt zeichneten die Berufsschüler geschützt vor dem Nieselregen ihre Messpunkte auf den Schnürboden.   "Die Daten und Maße werden die Schüler in der Berufsschule auswerten und schließlich einen Linienriss zeichnen, der zur Dokumentation und eventuell auch für einen späteren Nachbau genutzt werden kann", sagt Berufsschullehrer Mathias Krueger.   Vereinsvorsitzende Birgit Rautenberg-Sturm ist begeistert, dass durch die Kooperation mit dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum und der finanziellen Unterstützung aus dem Europäischen Fischereifonds (EFF Achse 4) das Projekt zur Rekonstruktion der "Quasenbünn" möglich wurde. "Mit dem Vermessen und dem Anfertigen eines Linienrisses durch den außerschulischen Workshop der Lübecker Berufsschule für Bootsbau wird diese spezielle und typische Fischereifahrzeugkonstruktion nun erstmals dokumentiert und damit die notwendige fischereigeschichtliche Sachkulturforschung bezüglich der Bauweise umgesetzt. Aber wir wecken damit auch das Interesse an Bootskonstruktionen der Fischerei bei den Auszubildenden. Die Vermessung der "Quase" war der erste Abschnitt des Projektes. Nach der Rekonstruktion der "Bünn" hätte man sonst die "Quase" nicht mehr vollständig vermessen können", erklärt Birgit Rautenberg-Sturm.